July 23, 2008 @ 8:23 pm
“Dr. Google”
Das folgende Erlebnis ist nun schon ein Weilchen her und somit blogbar, da keinerlei Bezug auf Ort und Personen hergestellt werden kann. Unser Kind war krank, der Verdacht auf Scharlach lag nahe da es im Kindergarten ähnliche Fälle gab. Auch die Suche vorab auf Google ergab für mich als Laien viele Hinweise auf Scharlach, viele Symptome die man so fand deckten sich mit aktuen Beschwerden. Da Fieber, die Rachen- und vor allem Schluckbeschwerden massiv zunahmen, suchten wir Freitag abends den Weg in eine örtliche Notaufnahme.
Wenn ein Krankenhaus keine Kinderstation und somit keine Kinderärzte hat, steht es im Ermessen des diensthabenden Arztes zu entscheiden, ob er sich dem Fall annehmen wird oder ob man weitergeschickt wird zur nächsten Kinderklinik. Um so glücklicher waren wir, als der behandelnde Arzt sich bereit erklärte unser Kind anzusehen und eine Diagnose zu stellen. Allerdings lief die Untersuchung deutlich anders als erwartet: Nachdem ein paar diagnostische Maßnahmen abgearbeitet wurden (Fieber messen, Blick in den Hals, Abtasten) wandte sich der Arzt an seinen Computer. Ich vermutete eine medizinische, krankenhauseigene Datenbank dahinter und war mehr als überrascht als dieser die Startseite von Google aufrief und dort allen ernstes “Scharlach” eingab.
In den Suchergebnissen vertieft konnte ich ihm noch den Hinweis auf ein relevantes Suchergebnis geben, schließlich habe ich knapp 60 Minuten vorab die gleiche Suche durchgeführt. Dort verfizierte er die Symptome von Scharlach. Spätestens jetzt kam ich wirklich ins Grübeln …
Aber: Fairerweise muß man sagen, das der Arzt auch nochmal Rücksprache mit einem ranghöheren Arzt gehalten hat und das war vermutlich auch Auslöser dafür, das man trotz des Vorfalls einigermassen beruhigt nach Hause gefahren sind. Grundsätzlich ist es ja ein positiver Faktor, wenn ein Arzt auf moderne Hilfsmittel zurückgreift und weiß wo/wie er danach sucht und die Daten entsprechend medizinisch einschätzen kann – nur sollte das nicht im Beisein von aufgeregten Eltern sein. Seinen Spitznamen hat er seitdem weg: Dr. Google!
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